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Forschung und Entwicklung im Ofenbau

Auch im Ofenbau ist die Erforschung und Weiterentwicklung verbesserter Komponenten unerlässlich, um so mehr die Energieerzeugung und -nutzung eine Branche im Wandel ist. Neue Impulse und Ideen entstehen in der Regel bei den Herstellern von Ofenkomponenten, drei führende Anbieter erläutern, wie Forschung in ihrem Unternehmen funktioniert.

Ulrich Brunner, Geschäftsführer der Ulrich Brunner GmbH Ofen- und Heiztechnik in Eggenfelden:

Das wichtigste sind die Marktwünsche, nach denen sich die Entwicklung neuer Komponenten zu richten hat. Aber man muss natürlich auch bauliche Veränderungen und damit Veränderungen beim Wärmebedarf berücksichtigen. Und die dritte Säule für Forschung und Entwicklung in unserer Branche sind die gesetzlichen Bestimmungen, die oft verwirrend und von Region zu Region sogar unterschiedlich sein können.


Anja Steenweg, LEDA Werk GmbH & Co. KG in Leer:

Meistens beginnt der Entwicklungsprozess mit einer Idee für ein neues Produkt - oder mit einem Kundenwunsch, welchen es zu erfüllen gilt. Gepaart mit dem langjährigen Know-How unserer Konstrukteure und Entwickler, wird aus dieser Idee eine neue Feuerstätte – bis ins Detail entworfen, durchdacht und gezeichnet. Dank modernster Simulationstechnik am Computer kann der Verbrennungsprozess bereits in der Entwicklungsphase genauestens analysiert und verbessert werden. Ein Prototyp des neuen Gerätes wird daraufhin auf dem Prüfstand gebrannt und auf „Herz und Nieren“ geprüft, bevor die Serie gefertigt wird.


Dr. Volker Schmatloch, Entwicklungsleiter bei der Spartherm Feuerungstechnik GmbH in Melle:

Zum einen reagieren wir auf Anforderungen unserer Kunden, also den Handwerkern, die vor Ort im täglichen Umgang mit unseren Produkten Probleme und Schwachstellen bemerken und uns mitteilen. Und zum anderen entwickeln unsere Mitarbeiter in der Forschung natürlich auch selbst Ideen für Verbesserungen oder Veränderungen von Produkten. Ganz oft schlägt auch unser Chef, Herr Rokassa, etwas vor, was aufgenommen und weiterentwickelt wird.“


Was sind Ihrer Meinung nach die großen 'Entdeckungen' der letzten Jahre in unserer Branche?


Ulrich Brunner:

Für mich ist das die Klebetechnik im Ofenbau, die Josef Ortner in den 80-er Jahren entwickelt hat. Dadurch ist es überhaupt erst möglich geworden, freie Formen zu bauen. Früher musste die Ofenwand sehr dick sein und mit Klammerdraht zusammengehalten werden, heute können die Steine einfach mit Schamotte-Mörtel verklebt werden.


Anja Steenweg:

Die Entwicklung von Feuerstätten wurde durch die computergestützte Simulation der Abbrandprozesse wesentlich vereinfacht. Aber elektronische Unterstützung bekommt nicht nur der Hersteller, sondern auch der Endkunde. Denn hochmoderne Elektronik überwacht heutzutage Verbrennungsluft- und Abbrandprozesse – Komfortable Bedienung und emissionsarme Verbrennung kann so gewährleistet werden.


Dr. Volker Schmatloch:

„Eine wichtige 'Entdeckung' für häusliche Feuerungsanlagen gab es in den letzten Jahren zum Beispiel bei den Filtern, bzw. bei der Entwicklung von Elektrofiltern oder genauer elektrischen Abscheidern. Das sind Filter, die zum ersten Mal in der Schweiz entwickelt wurden und die Feinstaubemissionen von Feuerungsanalgen für feste Brennstoffe reduzieren. Für sehr wichtig halte ich auch die Produkte der elektronischen Steuerung von Öfen oder die ständige Weiterentwicklung von wasserführenden Geräten.“


Welche Lösungen braucht die Zukunft unserer Branche?


Ulrich Brunner:

Aufgrund der baulichen Veränderungen beim Hausbau (Niedrigenergiehäuser und Passivhäuser) brauchen wir Ofenanlagen für einen geringeren Wärmebedarf, bzw. Speicheröfen, die die Wärme gleichmäßig und lang anhaltend abgeben. Bei uns spiegelt sich dieser Trend im so genannten 20/80 Versprechen wider: 20 % der Wäremabstrahlung erfolgen über die Sichtscheibe, die restlichen 80 % werden zeitversetzt innerhalb von 8 bis 10 Stunden als milde Strahlungswärme über den heizgasdurchströmten Speicherblock freigesetzt.


Anja Steenweg:

Im Feuerstättenbau gäbe es unendlich viele Möglichkeiten und kreative Ideen. Doch wenig Wärmebedarf im gut gedämmten Haus, hoher Wirkungsgrad und geringe Emissionen zur Entlastung der Umwelt lt. Bundesimmissionsschutzverordnung stehen im starken Konflikt zum Wunschobjekt des Kunden, der möglichst große Anlagen mit viel Feuersicht wünscht und viel Holz für ein üppiges Feuer auflegen möchte. Wohin also mit der „überschüssigen“ Wärme? Feuerstätten mit Speicher werden also auch zukünftig den Ofenbau beschäftigen.


Dr. Voker Schmatloch:

Vor allem brauchen wir Feuerstätten mit kleinerer Leistung und weniger Emissionen unter den verschiedensten Betriebssituationen. Außerdem muss die Möglichkeit, dass der Benutzer Fehler bei der Bedienung des Ofens macht, verringert werden.

Kategorie: Das Handwerk

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